Blutegel Therapie

 

Blutegel (Hirudo medicinalis)

 


Das Wort Egel leitet sich vom griechischen Wort „echis“ Schlange ab.


Der bis zu 25 Jahre alt werdende Blutegel (Hirudo medicinalis) wird seit Jahrhunderten in der Medizin zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Erste Aufzeichnungen stammen aus den “Papyrus Ebers” (1553 v.Ch.), einer Schrift über medizinische Heilmittel und deren Anwendung.

In der Ayurvedischen Medizin trägt der indische Gott Dhanvantari einen Blutegel in seinen vier Händen und als „leecher“ bezeichnete man im mittelalterlichen England die Heiler, was auch gleichbedeutend mit Blutegel ist (leech= engl. Blutegel).

Schon im ersten Jahrhundert würde vom römischen Gelehrten Plinius der Ältere (23-79 n. Ch.) eine Anwendung bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, Hämorrhoiden und Fieber aller Art durchgeführt.

Die ersten Aufzeichnungen aus den deutschsprachigen Raum stammen von der Klosterfrau Hildegard von Bingen (1098-1179 n.Ch.). Ihre Empfehlung ist die Anwendung statt Aderlaß bei Kindern unter 6 Jahre und Erwachsenen über 70 Jahre sowie das Ansetzen an Hals, Schultern, Kniekehle und Hinterteil.

Im 1900 Jahrhundert soll der jährliche Verbrauch an Blutegel in Deutschland um 25 Millionen gelegen haben.

In den letzten Jahrzehenten hat man die Blutegel in der plastischen Chirugie wiederentdeckt weil Blutegeltherapie hilft Transplantate besser anwachsen zu lassen.


Bei welchen Krankheiten werden Blutegel verwendet?


  • Arthrosen des Knie-, Schulter-, Daumen- und Sprunggelenkes, Hüftarthrosen
  • Arthritis
  • Tennisellenbogen
  • Rheumatische Beschwerden
  • Gicht
  • Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfall
  • Krampfadern, Besenreiser und Venenentzündungen
  • Hämorrhoiden
  • ausbleibende Menstruation (Amenorrhoe)
  • Wundheilungsstörungen, Entzündungen, Abszesse und Furunkel
  • Angina pectoris
  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Kopfdurchblutungsstörungen wie Tinnitus, Schwindel, Migräne
  • Bluthochdruck
  • Postthrombotisches Syndrom
  • Nervenschmerzen
  • Morbus Bechterew

 

Wissenschaftlicher Nachweis

 


Der schulmedizinische Einsatzt von Blutegeln beschränkte sich bis vor wenigen Jahren auf den Einsatz in der Chirugie bei offenen und schlecht heilenden Wunden.

Doch durch neue Studien bestätigt sich jetzt die Anwendung aus der klassischen Naturheilkunde.
Im Klinikum Essen Mitte legt man bis zu sechs Blutegel auf die betroffene Stelle an. Nach ca. einer Stunde fallen sie satt von selber ab, dann haben sie 20 bis 30 ml Blut getrunken. Davon kann der Egel ein Jahr lang leben und der Patient bleibt ein halbes Jahr oder länger schmerzfrei.
In einer Studie der Universität Duisburg- Essen behandelte man 300 Patienten mit Kniegelenks-Arthrose einmalig mit Blutegeln. Bei 80% der Betroffenen kam es zu einer signifikanten Schmmerzlinderung und 70% spürten noch nach einen halben Jahr eine Besserung.
Auch zeigte sich die Überlegenheit in einer Studie mit 51 Patienten gegenüber einer antientzündlichen Salbe (Diclofenac). Die Blutegel senkten die Schmerzen innerhalb einer Woche um 64%, in der Kontrollgruppe waren es nur 17%.
Schmerzstillende Medikament haben oft starke Nebenwirkungen, so musste 2004 das COX-2 hemmende Medikament Vioxx wegen möglicher Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken vom Markt genommen werden und in der USA mußte die Salbe Voltaren Gel (Diclofenac) mit den Zusatz lebertoxisch als Nebenwirkungen vermerkt werden.

 

Wie wirkt der Blutegel?


Mehrere Studien belegen den Erfolg der Blutegel-Therapie. “Insgesamt sind etwa 30 bis 50 Substanzen im Speichel des Blutegels, die gerinnungshemmend, schmerzlindernd und anti-entzündlich wirken”, sagt Prof. Dr. med. Gustav Dobos – Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin Universitätsklinik Duisburg-Essen. Bislang sind allerdings erst acht dieser Substanzen genauer erforscht. Die Speicheldrüsen des Egel sind keimfrei und sie reinigen die Bißstelle durch enzymatische Prozesse.

 

Die Inhaltsstoffe des Speichels haben eine vielseitige Wirkung.


Hirudin:
Die Antithrombokinase Hirudin (1) mit einer Halbwertzeit von 15 min (2) hat eine Antithrombin III-unabhängige antikoagulatorische Wirkung (4) (blutgerinnungshemmend) über eine Inaktivierung von Thrombin durch Komplexbildung (3). Desweiteren wirkt es antibiotisch, diuretisch, entzündungshemmend, lymphstrombeschleunigend undgefäßentkrampfend (2).

Calin: Die hemmende Wirkung der Blutgerinnung tritt durch Calin in nach 1-10 min ein und dauert ca. 12 Stunden an daher bewirkt der Egelbiß einene längere Nachblutung (5).

Hyaloronidase spaltet Bestandteile des Bindegewebes und macht das Gewebe durchlässig für das Eindringen des Speichels in die tieferen Schichten (6) und besitzt eine antibiotische Wirkung (7).

Weitere Stoffe wie Eglin (B u. C), Bdellin A u. B, Apyrase, Kollagenase und Destabilase, Piyavit und Kollagenase finden sich um die Bißstelle herum und spielen in der Hemmung der Blutgerinnung sowie als entzündungshemmende Stoffe eine wesentliche Rolle weswegen sie sich auch zur Schmerzbehandlung bewähren. Die histaminähnlichen Substanzen wirken vasodilatorisch und fördern die Nachblutung (8).

Syntetisches Hirudin wird seit Mitte der 80 Jahre auch in der Herzchirugie zur Blutverdünnung eingesetzt oder wenn eine Heparinunvertäglichkeit vorliegt, um Thrombenbildungen zu verhindern.


Therapieverlauf


Das Ansetzen der Egel kann in der Praxis oder Zuhause geschehen. Nach ca. 1 Stunde fällt der Blutegel ab. Die Bißstelle soll noch eine geraume Zeit nachbluten bis man sie dann verbindet. Es kommt durch die gerinnungshemmenden Substanzen zu einer ca. 10-12 Stundigen gewollten Nachblutung. Ein nochmaliger Verbandwechsel ist dann notwendig.

Da der Blutegel sehr empfindlich ist sollte man sich am Tag der Behandlung sich nur mit klaren Wasser waschen und nicht parfümieren.
Nach der Behandlung ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Je nach Krankheitsbild sollte die Behandlung 1-2 mal in Abständen von 4-8 Wochen wiederholt werden. Bei chronischen Leiden auch in grösseren Abständen und regelmäßig z.B. bei Krampfadern.
Übrigens, bis auf ein kurzes Stechen, wenn der Egel beißt, ist die Therapie vollkommen schmerzfrei!

 


Referenzen:

(1)Markwardt 1957
(2)Munro et al. 1989
(3)Starke 1989
(4)Brunnengräber & Petroianu 1991
(5)Munro et al. 1991
(6)Pühler et al. 2000
(7)Sawyer 1986
(8)http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2009/2804/pdf/Stock_Friedrich.pdf

http://blutegeltherapeuten.de/studien/index.php

 

 

 

HP Brasch by Google+